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The Social Networks oder Wer wen am besten nerven kann...

ein Kommentar von DasBertl

Die neuen Medien. Was ist an ihnen wirklich neu? Genaugenommen garnichts, außer das 'hübsche' "KlickiBunti", wie es abwertend von sogenannten IT-Profis genannt wird, also die grafische Oberfläche. Soziale Netzwerke im Internet gab es schon lange, bevor es die erste Website im World Wide Web (www) gab. Auch Chatrooms, Newsrooms und sogar Filesharing hat es schon vor gut 40 Jahren gegeben. Damals meist beschränkt auf jene, die Zugang zu Universitätsgroßrechnern mit Unix hatten.

Sicherlich, das damals war im Vergleich zu heute recht spartanisch und einseitig und blieb eigentlich bis zum ersten Webbrowser, Mosaic, Monochrom, sprich einfarbig. Zu Anfang, wie es gerne heute noch in vielen Filmen gezeigt wird (siehe Matrix), meist mit grüner Schrift auf schwarzem Grund, später immer noch schwarzer Grund aber weiße Schrift. Tatsächlich hing das anfangs vom verwendeten Bildschirm ab.

Wie auch immer, was heute als neue Medien dargestellt wird, ist eigentlich ziemlich alt, jedenfalls die Technik und die Idee dahinter, lediglich das Erscheinungsbild hat sich gewandelt, was unter anderem damit zusammenhängt, dass die Empfänger (sprich die PCs) auf der Anwenderseite wesentlich leistungsfähiger geworden sind, wie selbstverständlich auch die Sender (sprich die Server).

Doch ich schweife ab. 

Dieser Tage kam ein Film in die Kinos, The Social Network, der die Entstehung von "Facebook", einem der bekanntesten, wenn nicht das bekannteste Soziale Netzwerk thematisiert, aber weniger dokumentarisch als spielfilmisch aufgearbeitet. Nun, womit hat uns Facebook und der Rest eigentlich bereichert? Wir können den Menschen in unserer Umgebung, aber auch weltweit, ob wir sie kennen oder nicht, mit Infos darüber belästigen, wo wir gerade sind, was wir gerade machen und wie wir dabei aussehen. Oft genug verbreiten wir auch Informationen über uns, die wir eigentlich gar nicht verbreiten wollen.

Durch die Entwicklung der Smartphones, die inzwischen auf die meisten dieser Sozialen Netzwerke direkten Zugriff ermöglichen, haben wir auch die Möglichkeit, dies wirklich nahezu überall und jederzeit zu verbreiten. (Sofern Sendung/Empfang gewünscht bzw. möglich ist).

Zu was aber zwingt uns das? Zu immerwährender Erreichbarkeit. Inzwischen erzählen uns Menschen, die wir nicht kennen und unter diesen Umständen meist auch nicht kennen lernen möchten sogar, dass sie gerade eine längere Sitzung auf der heimischen Toilette abhalten. Derlei Unsinn geschieht dann meist über Kurznachrichtensysteme wie Twitter, aber auch auf Facebook und Co. mit Hilfe der "Statuszeile".

Wir müssen also immer erreichbar sein, denn schließlich sind die anderen nur befreundet, solange man auch genug erreichbar ist. Entgegen aller pseudowissenschaftlichen "Erkentnisse" ist es aber gerade nicht die Jugend, die sich so festketten lässt, sondern eher die Generationen zwischen 25 und 35, denn die Jugend von heute benutzt die ganzen Systeme auch nicht häufiger, als wir in der unsrigen das Telefon oder das Handy.

Für sie ist es ein normales Kommunikationsmittel geworden. Meine Generation jedoch hat immer noch nicht gelernt, wie ein vernünftiger Umgang mit den sich bietenden Möglichkeiten aussieht. Entweder es wird rundweg abgelehnt, oder aber es wird exzessiv genutzt, meist um sich möglichst wichtig zu machen.

Inzwischen ist mir der Spaß an diesem ganzen Mist gründlich vergangen, denn ständig wird man genervt, weil man ja gefälligst erreichbar zu sein hat. Und so bleibt mein Windows Live Messenger, mein einziges "neuzeitliches" Kommunikationsmittel inzwischen meist im "Als offline anzeigen"-Modus. Man möchte ja trotzdem nichts verpassen. Um es plastisch zu sagen, ein solcher Modus gleicht einem Anrufbeantworter.

Man kann sich anhören (bzw. anlesen) was der andere zu sagen hat und wenn es einem wichtig ist, kann man antworten, wenn es einem auf die Nerven geht ignorieren und wenn es einem egal ist je nach Situation entscheiden.

Wodurch ein solches System eigentlich wieder zum Email-Ersatz verkommt. Aber so ist das eben mit Kommunikation: Wird man zu sehr belabert, schaltet man auf durchzug. Und auch heute noch passiert, was eigentlich dank Protokolierungsfunktion und ähnlichem fast unmöglich scheint: Man verpasst manchmal das Wichtigste.

Und was kann man jemandem Raten, der in einer deratigen Kommunikationsfalle sitzt? Einfach mal das Handy ausschalten, den PC PC sein lassen und rausgehen, dorthin wo noch Ruhe herrscht. Was mitunter gar nicht so einfach ist, denn auch diese Idee haben viele und die sogannten schönen Stellen sind meist von so vielen belagert, dass man von einer Schönheit der Natur nichts mehr sieht. Nur noch das, was man so nie sehen wollte. Also wieder fast das gleiche wie in unserem Sozialen Netzwerk. 

Und so sind wir bis auf weiteres gefangen im Netz. Selbstverständlich liegt das allerdings hierzulande auch an der Wohndichte, in den USA, wo die Wohndichte geradeinmal ein Zehntel beträgt, da kann man wirklich noch ruhige Orte finden. Deswegen fällt es "den Amis" auch leichter, sich an deratige Neuerungen zu gewöhnen.

Aber, wenn man sich Mühe gibt, dann finden sich auch in Deutschland Orte, die an Schönheit kaum zu überbieten sind. Und vor allem: An denen wirklich noch Ruhe herrscht. Vergesst Google Maps/Earth, benutzt euren Kopf, erforscht eure Gegend. Ihr werdet überrascht sein, wie eure Umgebung tatsächlich aussieht. Dafür sollte man allerdings auch mal das "Soziale Netzwerk" Stadt verlassen. Dafür braucht es nicht mal Tausende Kilometer, die Natur liegt oft schon wenige Kilometer vor den Toren der eigenen Stadt.

So lernt man sein Land und sich selber kennen und vor allem: Man lernt, dass man nichts wirklich braucht. Außer ein paar echte Freunde und sich selbst. Alles andere ist nettes Beiwerk solange es nicht Besitz von uns ergreift. Aber DAS haben wir selbst in der Hand.

 

In diesem Sinne: Ein angenehmes, ruhiges, erholsames und vor allem netzwerkfreies Wochenende

16.10.10 01:48

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


lim (30.6.11 20:01)
Also,
den Kommentar zur "vernünftigen Nutzung durch die Jugend" würde ich so nicht unterschreiben. Ich bin 16, und in meinem Bekanntenkreis gibt es kaum jemanden, mit dem man mal 10 Minuten zusammensitzen und reden kann, ohne dass mal schnell das Smartphone auf neue Facebook/Twitter/Sonstwas-Nachrichten überprüft werden müsste...


DasBertl (30.6.11 23:45)
@lim
ist das tatsächlich so? Bin gerne bereit meinen Kommentar in der hinsicht zu relativieren. Bin ich froh, dass ich kein Facebook hab und auch sonst extrem selten meine Nachrichten kontrollier. Ausser den Emails, aber die auch nur, weil mir die mein Browser direkt meldet. Und mit dem Surf ich doch recht oft. Nur halt nicht so gern "sozial"^^

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