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Wie man die Falschen richtig zitiert...

ein Kommentar von DasBertl

Unter dem Titel:

Ermittlungen zum Tod von Benno Ohnesorg

Das neue Bild von Eiskalten Killer

schreibt Hans Leyendecker für süddeutsche.de über "neue" Erkenntnisse übder den Tod von Benno Ohnesorg. Gut, so neu sind die nicht, denjenigen die seit je her von Mord sprachen, kannten die meisten Erkenntnisse schon von Anfang an.

Und weiter unten schreibt Leyendecker dann ausgerechnet dies:

 

"Fest steht jetzt schon: Vieles war anders, als es früher mal amtlich oder von Amts wegen verkündet worden ist. Bild am Sonntag verwies jetzt auf einen vertraulichen Bericht der Generalstaatsanwaltschaft Berlin vom 18. Juli 2011. Angeblich zeichneten die Strafverfolger in diesem Bericht von Kurras "das Bild eines eiskalten Killers", der "offenbar gezielt auf Ohnesorg geschossen" habe. Aus den neuen Akten und neuen Zeugenaussagen ergebe sich das Bild eines Mannes, der seine Ziele brutal und ohne Mitleid durchsetze.

Dieses Bild würde dem alten Bild widersprechen, das einst seine vielen Verteidiger von ihm und der Welt hatten. Es war ein Bild aus dem Kalten Krieg."

 

BILD (oder hier die Schwesterzeitung BAMS) ausgerechnet zu diesem Fall zu zitieren, hat schon etwas von entweder extremer Unkenntnis der damaligen Zeit (was eher abwegig ist, es sei den der 1949 geborene Leyendecker hätte 1967 einen ganzjährigen Winterschlaf gemacht) oder aber von extremer Frechheit. Wo doch ausgerechnet die Organe der Springer zunächst mal gar nichts von irgendeinem Toten wissen wollten, dann aus Ohnesorg einen toten Polizisten machten, um ihn später als Opfer der Gewalt von Demonstranten zu verkaufen.

Dass die Gewalt damals zunächst einmal, unterstützt durch die Berliner Polizei, von den vom persischen Schah mitgebrachten "Jubel"(Prügel würde besser passen)-Persern ausgegangen ist, kann heute niemand mehr ernsthaft zu bestreiten suchen (zumal die Fernsehbilder schon damals eine deutliche Sprache sprachen). Im Anschluss darauf ging die Gewalt bei der Demonstration vor der Deutschen Oper, am Abend des Todes von Benno Ohnesorg, wieder von den Schahanhängern und diesmal auch direkt von der Berliner Polizei aus.

Dass BILD bzw. BAMS aus dem "ehrenhaften Polizeibeamten" als den sie ihn einst darstellten, jetzt den "eiskalten Killer" (der er vermutlich war) machen, hat nur einen Grund: Er arbeitete nebenbei noch für die Stasi, offenbar allerdings eher wenig erfolg- und hilfreich. 

Dass der Vorfall, der ein ziemlich schlechtes Licht auf die noch junge Demokratie, ihre Exekutive, Judikative und auch Legislative warf,  endlich versucht wird, wieder neu aufzurollen, darf man als gutes Zeichen werten. Allerdings kommt dies ungefähr 44 Jahre zu spät und selbst heute versucht man sich offenbar an Geschichtsklitterung.

Die BILD und die restliche Springerpresse jedenfalls sollte ein guter Journalist nur dann zitieren, wenn man den Kontext im ganzen betrachtet. Denn bis heute hat sich niemand von Springer von der damaligen Pressearbeit (die mit der Hetze gegen Moslems heute da weiter macht, wo sie damals mit der Hetze gegen Studenten und Demonstranten aufgehört hat) distanziert und sich für das Leid, dass sie damit Verursacht haben, entschuldigt.

Aber wo ist da auch das Wunder? Mit der Demontage nicht willfähriger öffentlicher Personen, der Zurschaustellung von Opfern und Tätern, der Verleumdung, der Lüge und mit Parteilichkeit verdient Springer bis heute sein Geld.

Ein falscheres Thema als Kurras und Ohnesorg zum Zitieren einer neuen Bildschlagzeile  ist mir bisher nicht untergekommen. Liebe Süddeutsche, das war ein sprichwörtlicher Griff ins Klo...

 

3.8.11 00:29

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