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"Israel", oder "wie sagt man es am besten"

von DasBertl

Ich gebe zu, bevor beschlossen habe, diese Zeilen zu schreiben, musste ich mir das lange überlegen. Warum? Weil das Thema ein spezielles ist. Warum? Weil ich als Deutscher eine angeborene Verantwortung durch die Geschichte meines Landes trage. Warum? Warum? Warum? Ich könnte immer nur mit den selben hohlen Phrasen um mich werfen, mit denen schon seit spätestens Ende der 70er in Deutschland um sich geworfen wird, kommt es zum Thema Israel.

Und ja, es ist ein schwieriges Feld. Etwas einigermaßen objektives über Israel zu sagen ist fast unmöglich, erstens durch die Blockade durch Erziehung und Bildung in diesem Land und zweitens durch den Umstand, dass man, lässt man auch nur einen Hauch Kritik am israelischen Staat erkennen, man sich sofort des Antisemitismus verdächtig macht. Auch mit dem Spruch "Ich bin doch links" kann man sich heute dessen nicht mehr entziehen, da auch dort durchaus antisemitische Tendenzen sichtbar sind, was aber an der Natur des Extremismus liegt, ob nun links oder rechts.

Nun aber zum Thema. Deutschland versteht sich als Freund Israels und vermeidet jegliche Kritik an eben jenem Land, da es sich in der Verantwortung gegenüber den Juden sieht. Dabei begeht Deutschland und viele Deutsche mit ihm, den Fehler erstens, einem Freund nicht zu sagen, wenn er sich mal unmöglich aufführt (was ein echter Freund aber macht) und zweitens die Juden in ihrer Gesamtheit mit Israel gleichzusetzen.

Wie bereits erwähnt, ein Freund macht einen Freund auf seine Fehler aufmerksam.  Da es aber auch unter Israels Angehörigen und unter Juden im Allgemeinen Radikale gibt, gibt es dabei natürlich sofort starken Widerstand von eben jenen radikalen, denen sich der Freund Deutschland leider sofort unterwirft, jegliche Kritik zurück nimmt und eine Zeitlang gar nichts mehr dazu sagt.

Damit aber setzt man wiederum Israel mit den radikalen Juden und angehörigen Israels gleich, was dem Land und auch den Juden nicht gerecht wird. In Israel selbst herrscht im Moment eine ziemliche üble Laune in Form der aktuellen Regierung. Lieberman ist das schlimmste, was Israel eigentlich passieren konnte, sitzt dort doch ein radikaler als Aussenminister im Amt, was auch in Israel selbst nicht unbemerkt geblieben ist, leider aber vom Koalitionspartner durchweg ignoriert wird. Einige Israelische Medien und auch Politiker nennen Avidgor Lieberman "rassistisch, rechtsradikal und faschistisch" (Quelle: wikipedia) und treffen damit des Pudels Kern.  Es ist schon ein Treppenwitz der Geschichte, das ein Faschist das Land Israel nach Außen hin vertritt.

Ebenso ist es fast ungehörig, was Israel zum Teil u.A. in Gaza veranstaltet. Sicherlich: Die Terroristen im palestinensischen Autonomiegebiet müssen gestoppt werden, andererseits sollte Israel dafür nicht Mittel einsetzen, die Teile von ihren Staatsangehörigen zuvor u.A. durch das Deutsche Reich und die UdSSR erleiden mussten. In Gaza wird ein ganzes Volk bzw. ein großer Teil eines Volkes dafür bestraft, dass eine Mehrheit die falsche Partei gewählt hat, sprich die Terrororganisation Hamas.

Damit jedoch treibt man diese Menschen erstrecht in die Arme radikaler Elemente, schließlich ist Gaza nichts anderes, als ein riesengroßes Freiluftgefängnis.  Und auf dieses noch Napalm zu schmeißen, zeugt nicht unbedingt von Achtung der Menschlichkeit.

Israel muss sich und seine Bürger schützen, sie haben dieses Recht und diese Pflicht wie jedes andere Land, aber aus den Verbrechen die gegen Juden begangen wurden und aus der prekären Lage, durch den Umstand nur von arabischen Staaten umgeben zu sein, ergibt sich nicht das Recht, selbst Menschenrechte zu verletzen. Im Gegenteil, Israel hat wie kaum ein anderes Land, abgesehen von Deutschland, geradezu die Pflicht, Menschenrechte höher zu halten als alle anderen.

Nur so kann sich am Ende der Staat Israel erst legitimieren. Wenn Israel seine Nachbarn (bzw. dessen Bewohner, denn die Regierungen selbst sind nicht unbedingt immer "koscher" ) stützt, schützt und unterstützt ohne dabei seine Identität als jüdischer Staat aufzugeben, dann hat Israel auch nichts mehr zu befürchten. Als Paranoiastaat aber hat Israel auf Dauer keine Chance zu bestehen und wird irgendwann untergehen.

Und genau deshalb muss man Israel eben auch kritisieren dürfen. Damit Israel eine Chance hat auch in Zukunft noch zu existieren. Und vor allem irgendwann auch endlich einmal ohne Angst. 

Daher kann nur ein Fruend sein, der den Freund eben auch mal kritisiert. Kein Freund jedoch ist der, der einen vor jeglichem Ansatz von Kritik schützt, denn dies kann nur Hass schüren. Und wozu Hass am Ende führt, dass wissen wir alle. Aus der Geschichte und aus dem Jetzt.

Israel hat leider das Pech, den Imperialismus des Westens aus dem frühen 20 Jahrhundert ausbaden zu müssen. Aber dies kann eine Chance bedeuten. Und gerade jetzt, wo in den arabischen Staaten auch um Israel herum das Volk aufbegehrt, müsste es seine Chance nutzen. Denn: Macht Israel sich die Völker nicht zum Freund, die drauf und dran sind, sich die Freiheit in ihren Ländern zu erkämpfen, so könnte sich Israel am Ende von mehr und schlimmeren Feinden umgeben sehen, als dies je der Fall war. Dann ist Israel wirklich in Gefahr und wir womöglich in einem neuen Weltkrieg. Der Westen+Israel gegen die arabischen Staaten+? (Russland=Unklar, China=Unklar etc.

Ich gebe gerne zu, ich weiß nicht alles, ich kann gar nicht alles wissen, aber bei einem bin ich mir absolut sicher: Israel muss sich verändern um zu überleben. 

 

Nachwort:

Warum ist in diesem Text so wenig über Juden geschrieben worden? Ganz einfach: Die Juden sind nicht Israel. Israel ist ein Staat voller Juden, aber nicht deren Gesamtheit. Auch viele Juden schütteln übrigens den Kopf angesichts der Poltik der Regierung in Israel. Schließlich schüttel ich als Katholik auch gern den Kopf über die Politik des Vatikan. Was bedeuten soll: Kritik an Israel ist nicht Kritik an den Juden, sondern nur an der Rgierung eines Staates, in dem besonders viele Leben.

Wenn es an einem Juden etwas zu kritisieren gibt, dann mach ich das wie mit jedem anderen, ob Schwarzer, Weisser, Christ, Moslem, Bhuddist oder sonstwas: Ich kritisiere den einzelnen Menschen. Denn ein Mensch ist nie gleich der Gruppe, der er von anderern zugeordnet wird oder der er sich selbst zuordnet. Er hat nur etwas mit den anderen Mitgliedern gemein. Und damit hat eine Gruppe nicht automatisch die Fehler eines einzelnen der dieser Gruppe angehört.

Was nicht unbedingt für Regierungen gilt, da sie die Fehler (wie auch die richtigen Entscheidungen) der eigenen Gruppe als ganzes trägt.

Ich weiß was kommen wird, doch ich hoffe ich konnte klar machen worum es geht. Wie gesagt, das Thema ist schwierig und ganz andere haben sich daran schon die Finger verbrannt. Nur wird es Zeit, dass auch in unserem Land nicht mehr unter jedem Artikel der im Internet über Israel zu Lesen ist, geschrieben steht "Kommentare für diesen Artikel wurden abgeschaltet". Denn das erscheint mir irgendwie Antisemitisch....

1.7.11 03:13

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